Die Geschichte der rätoromanischen Sprache (Teil 2)

13.Dezember 2009 | Kategorien: Romanische Sprachen

Erst spät wurde mit der Verschriftlichung des Rätoromanischen begonnen. Die Reform war u. a. ein massgeblicher Auslöser.
Im 16./17. Jahrhundert wurde mit der Niederschrift des Rätoromanischen begonnen.

Die entscheidenden Impulse für die Niederschrift, für das Entstehen der literarischen, rätoromanischen Sprache, erfolgten aufgrund der Reformation.

Die Reformation begann im Oberengadin, die die Gegenreformation hervorrief, für die das Entstehen der geschriebenen, rätoromanischen Sprache ebenfalls von nutzen war.

Auch durch die politische Geschichte des Landes entstand Wunsch und Bedarf, die rätoromanische Sprache zu verschriftlichen.

Vom Ende des 18. Jahrhunderts bis Ende des 19. Jahrhunderts wurde aus praktischen Gründen das Deutsche als offizielle Sprache in Gesamtstaat der Drei Bünde verwendet.

Vom 16. – 18. Jahrhundert verlangen die Bundestage immer wieder, dass schriftliche Eingaben und amtliche Papiere in deutscher Sprache abgefasst sein müssen.

Die Standesversammlung von 1794 bricht mit dieser Tradition. Die Dreisprachigkeit der Dreibündrepublik wird ausgerufen. Als Kanton Graubünden treten die drei Bünde im Jahre 1803 der Schweizerischen Eidgenossenschaft bei.

Der Kanton hat eine offene und wohlwollende Haltung gegenüber dem Rätoromanischen sowie dem Italienischen. Jedem Abgeordnetenist es frei gestellt sich zu artikulieren, in rätoromanisch, italienisch oder deutsch.

Erlässe der Behörden werden in rätoromanischer, deutscher und italienischer Sprache geschrieben und gedruckt.

In den Verfassungen des Graubündner Kanton von 1880 und 1892 ist die Gewährleistung der drei Sprachen Graubündens als Landessprachen verankert.

In der Praxis wurde jedoch oft staatlicherseits versucht die Rumantschia zu verdeutschen.

Nicht nur aufgrund der zusätzlichen Bürokratie wurde das rätoromanische vernachlässigt, auch viele Rätoromanen betrachteten ihre eigene Sprache als wirtschaftliches Hindernis.

So beginnt im 19. Jahrhundert eine Vernachlässigung der rätoromanischen Sprache im gleichen Zug mit einer Zunahme des Deutschen. In Schule, Kirche und Amtstuben nimmt das Deutsch zu.

Auch die verkehrstechnische Erschliessung der Bergregionen und der beginnende Fremdenverkehr tun ein Übriges, das Rätoromanische zu verdrängen.

Um dies abzuwenden wird die "rätoromanische Renaissance" ins Leben gerufen. Angesichts des drohenden Verlustes der Muttersprache haben rätoromanisch Persönlichkeiten zur Erhaltung und Neubesinnung ihrer Sprache aufgerufen.

Daraufhin entstanden kultur- und Sprache fördernde Vereine. Im Jahre 1919 entstand die rätoromanische Dachorganisation "Lia Rumantscha". Im Jahre 1938 erkennen die Stände wie auch das Schweizer Volk das Rätoromanische als Schweizer Nationalsprache an.

Rätoromanisch heute

Seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts begann eine zunehmende Sensibilisierung für das Rätoromanische. 

Verstärkt wurden rätoromanische Schriften herausgegeben wie Wörterbücher, Grammatiken und Anthologien, rätoromanische Kindergärten wurden eingerichtet.

Wie auch Kurse in rätoromanisch für Anderssprachige.

Wissenschaftliche Arbeiten der rätoromanischen Sprache wurden verfasst, verdeutsche Dorfnamen wurden reromanisiert.

Durch Kinder- und Jugendbücher sowie Zuschüsse für Lehrmittel, Erwachsenenbildung wird versucht, die Bevölkerung wieder für ihre Sprache zu begeistern.

Durch die Pflege von Dorftheatern oder Chorgesamg soll das rätoromanische Kulturgut gepflegt und erhalten werden.

Rumantsch Grischun

Seitdem hat sich viel verändert. Für die rätoromanische Sprache wurde viel getan. Zuletzt wurde eine gesamtbündnerische- rätoromanische künstliche Schriftsprache, die Rumantsch Grischun" geschaffen.

Im Jahre 1982 wurde Rumantsch Grischun" eine, aus den verschiedenen meist gesprochenen Dialekten der rätoromanischen Sprache, schriftliche Kunstsprache gebildet.

Massgeblich am Rumantsch Grischun hat der Sprachwissenschaftler, der die verschiedenen lokalen Dialekte, wie Vallader, Puter, Surmiran, Sursilvan und Sutselvisch.  

Seit dem Jahre 2001 ist Rumantsch Grischun Amtssprache im Kanton Graubünden, obgleich auch viele die künstliche Schriftsprache ablehnen.
 
Durch die vielen Initiativen und Aktionen, privater wie auch staatlicherseits, ist viel geschehen um das Rätoromanische zu erhalten.

Der Dachverband Lia Rumantscha organisiert Begegnungstage, es steht Literatur zur Verfügung um diese Minderheitensprache der Schweiz zu erhalten, auch in Zukunft.

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